
Textile
Themen
Durch
klicken auf das Motiv lassen sich die Bilder vergrössern.
Indigo-Parallel-Versuch
2000

Im Januar 2000 wurde
ich von der Firma Alfred Galke gebeten, einen Färbeversuch mit
deutschem Indigo für sie durchzuführen. Mir wurden vier verschiedene
Indigoproben in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt, deren
Herkunftsort und Ursprungspflanze mir unbekannt waren. Es handelte
sich um drei deutsche Proben und eine ausländische. Um den Versuch
unter gleichen Bedingungen durchführen zu können, habe ich vier
traditionell gefertigte Gärtöpfe vom Töpferhof
Lenzen aus Mecklenburg besorgt, den Urin in einem Topf
gesammelt und dann, nach der Fermentation, wie ich es in meinem
Buch - „Wolle und Seide mit Naturstoffen
färben" ISBN 3-85502-642-4 - beschrieben habe, auf die vier Töpfe
verteilt.
Nach insgesamt sechs
Wochen Vorarbeit erwartete mich eine grosse Überraschung.: Bei
den drei deutschen Indigoproben war die Farbe viel intensiver
aufgezogen - ich hatte drei völlig unterschiedliche Farbtöne erreicht,
vom dunklen Marineblau, über Petrol bis Himmelblau.
Bei meinen anschliessenden
Recherchen stellte sich folgendes heraus: - bei den deutschen
Proben handelte es sich um Thüringer Indigo aus Färberknöterich
- Polygonum tinctorium - die ausländische Qualität (Himmelblau)
stammte vom Indigostrauch - Indigofera tinctoria -.
Im Verlauf des Sommers
habe ich mit Thüringer Indigo aus Färberknöterich weiter gefärbt,
Erfahrungen gesammelt und kann nun einige Beobachtungen mitteilen.
Dieses Indigo färbt auf Wolle wunderbar kräftige Abstufungen von
Marineblau. Bei Wolle/Seide bekommt der Farbton einen grauen Schimmer.
Seide zieht graublau auf und stellt mich nicht zufrieden.
Auch auf Leinen
ist die Farbe gut aufgezogen.
Dieses Indigo ist nicht nur viel ergiebiger als das Indigo aus
Indigofera tinctoria, das mir zur Verfügung stand, es braucht
auch kaum Gärhilfe, für die ich immer noch Datteln verwende. Die
Gärtöpfe sollten warm stehen, neben einem Ofen oder der Heizung,
z. B. im Heizungskeller. Die Temperaturunterschiede von Tag und
Nacht schaden nicht, aber eine plötzliche und andauernde Abkühlung
der Küpe ist ungünstig - die Farben werden blass.
Im Unterschied zu
meinen bisherigen Erfahrungen mit Indigo kommt das Färbegut nicht
grün aus der Küpe, um dann an der Luft zu verblauen, sondern ist
grau bis blaugrau vor dem Verblauen.
In China und Japan,
der ursprünglichen Heimat der Pflanze und Färbung, wird als Gärhilfe
Reismehl verwendet. Chinesisches Blau heisst dieses Indigoblau
aus Färberknöterich (laut Brockhaus Enzyklopädie von 1967).
An dieser Stelle kann
ich eine Korrektur der Aussage in meinem Buch anbringen. Ich nahm
an, dass mein Rezept der Indigo-Fermentations-Küpe auf die Hopi
zurück geht, da ich es so gelesen hatte. Nach neueren Erkenntnissen
nehme ich an, dass der Ursprung dieses Rezeptes in Nordafrika
liegt, wo Datteln wachsen und auch als Gärhilfe verwendet werden.
Inzwischen
weiss ich, dass dieses, aus Färberknöterich gewonnene Indigo,
aus dem Thüringer
Zentrum Nachwachsende Rohstoffe in Dornburg kommt. Es
wird auf Versuchsflächen angebaut und in Dornburg für Versuchszwecke
extrahiert. Grossaufträge können allerdings in Dornburg nicht
erfüllt werden.
Färberknöterich ist ein aus dem wärmeren Ostasien stammender Halbstrauch,
der wegen seiner Frostempfindlichkeit in unserem Klima nur als
einjährige Pflanze angebaut werden kann. Die Farbstoffvorstufen
sind in den Blättern enthalten, die am besten frisch verarbeitet,
aber auch schonend getrocknet werden können. Bei der Trocknung
des Knöterichs muss man allerdings Farbstoffverluste bis zu ca.
90% hinnehmen.
Ein Anbautelegramm
stellt die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft zur Verfügung.
Vielleicht bewirken Aktivitäten dieser Art eine Renaissance der
Natur-Indigo-Färberei.
Geesthacht, im September
2000
Färberknöterich-Färbeversuch